
Was immer der Denker denkt, wird der Beweisführer beweisen !
Laut Dr. Leonard Orr verhält sich das menschliche Gehirn so,
als wäre es in zwei Hälften geteilt, den
und den
Be-
weisführer.
Vergleichende Religionswissenschaft
und Philosophie zeigen zum Beispiel, dass der
sich für
sterblich,
unsterblich, für sterblich und unsterblich zugleich
oder auch für
"fast" nichtexistent halten kann. Er kann
sich jederzeit in ein christliches, ein
marxistisches, ein wissenschaftlichrealistisches
oder ein faschistisches Universum hineindenken unter vielen an-
deren Möglichkeiten.
Wie Psychiater und Psychologen häufig beobachten, kann
der
sich krank, aber auch selber wieder gesund denken.
Beim handelt es sich um einen sehr viel einfache-
ren Mechanismus. Er funktioniert einzig und allein nach fol-
gendem Gesetz: was immer der
denkt,
wird der Beweisfüh-
rer beweisen.
Wenn der
denkt, dass sich bei Lichtgeschwindigkeit die Zeit ändert,
wird der
geflissentlich sämtliche Sinneseindrücke
so filtern, dass sie in dieses Gedankengebäude hineinpassen;
wenn der
jedoch seine Meinung ändert, wird der
wiederum sämtliche Indizien umorganisieren.
Wenn der
glaubt, dass das «Heilige Wasser» von Lourdes
seinen Hexenschuss kurieren kann, wird der
alle
Signale von Drüsen, Muskeln und Organen so aufeinander abstim-
men, dass sie wie von selbst genesen.
Natürlich ist es ein Leichtes, zu beobachten, dass die Gehirne
anderer Leute auf diese Art und Weise funktionieren, aber Ver-
hältnismassig schwierig, sich darüber klar zu werden, dass es
mit dem eigenen Gehirn nicht viel anders ist.
So glaubt man beispielsweise, dass es Menschen gibt, die ob-
jektiver sind als andere.
Wissenschaftler gelten heute noch als objektiv. Dabei wird
nicht eine Biographie großer Wissenschaftler dies bestätigen.
Sie waren genauso leidenschaftlich und von daher mit Vorurtei-
len ausgestattet wie jede xbeliebige Versammlung von großen
Malern oder Musikern. Es war ja nicht nur die Kirche, es waren
auch die etablierten Astronomen seiner Zeit, die Galileo ver-
dammten. Und 1905 lehnte die Mehrheit der Physiker Einsteins
spezielle Relativität ab. Einstein selbst weigerte sich bis
1920, auch nur Teile seiner Quantentheorie zu akzeptieren,
ganz gleich, wie viele Experimente auch seine Entdeckung er-
härten mochten.
Edisons Leidenschaft für elektrische Gleich-stromDynamos
brachte ihn so weit, dass er allen Ernstes darauf
bestand, WechselstromDynamos für gefährlich zu halten, und das
noch Jahre, nachdem ihre Sicherheit längst allgemein anerkannt
war. Edisons Starrköpfigkeit in dieser Angelegenheit war teil-
weise das Resultat seiner Eifersucht auf Nikola Tesla, den Er-
finder der WechselstromDynamos. Tesla wiederum weigerte sich,
den Nobelpreis in Empfang zu nehmen, der ihm und Edison ge-
meinsam verliehen worden war, weil er nicht mit Edison zusam-
men auf der Bühne stehen wollte. So waren auch diese beiden
Genies zu «Objektivität» nur unter bestimmten, eingeschränkten
Laborbedingungen in der Lage. Wenn Sie glauben, Sie hätten ei-
nen höheren «Objektivitätsquotienten» als diese beiden wieso
sind Sie dann noch nicht für den Nobelpreis vorgeschlagen wor-
den?
Die Wissenschaft erreicht die Objektivität, oder kommt ihr zu-
mindest nahe, nicht weil der individuelle Wissenschaftler im-
mun gegen die psychologischen Gesetze wäre, die den Rest der
Menschheit regieren, sondern weil die wissenschaftliche
Methode (als eine Gruppenschöpfung) dazu neigt sich auf lange Sicht
und letztendlich über alle individuellen Vorurteile
hinwegzusetzen.
In der Physik liefen in den 80ern z.B vier Experimente, die ein sehr
umstrittenes Konzept, das unter der Bezeichnung Bells Theorem
bekannt ist, erhärten sollen und zwei weitere,
die es widerlegen...
Im Bereich der aussersinnlichen Wahrnehmung hat sich seit
mehr als einem Jahrhundert nichts Wesentliches verändert: je-
der, der sich vornimmt zu beweisen, dass es ASW gibt, hat Er-
folg und jeder, der das Gegenteil beweisen will, hat ebenfalls
Erfolg.
Die «Wahrheit» oder doch eine relative Wahrheit kommt erst
nach Jahrzehnten von Experimenten mit Tausenden von Gruppie-
rungen auf der ganzen Welt ans Licht.
Auf lange Sicht kommen wir hoffentlich im Lauf der Jahrhunder-
te der Wahrheit immer näher.
Auf kurze Sicht gilt immer noch Orrs Gesetz:
Was immer der
denkt, wird der
beweisen.
Wenn Sie, lieber Leser, Wissenschaftler sein sollten regen
Sie sich nicht auf. Das bezieht sich nicht auf Sie, sondern
nur auf die umnachteten Schwachköpfe aus dem anderen Lager,
die einfach nicht einsehen wollen,
dass Ihre Theorie die ein-
zig wahre ist.
Thanks for synergy to Robert Anton Wilson.
WIR
________SINND________
____Der
Neue Mensch____
Die Funktion der neuen Gesellschaft ist es, die Entstehung eines neuen Menschen
zu fördern dessen Charakterstruktur folgende Züge aufweist:
die Bereitschaft, alle Formen des Habens aufzugeben, um ganz zu sein
Sicherheit, Identitätserleben und Selbstvertrauen, basierend auf dem Glauben an
das, was man ist, und auf dem Bedürfnis nach Bezogenheit, auf Interesse, Liebe
und Solidarität mit der Umwelt, statt des Verlangens, zu haben, zu besitzen und
die Welt zu beherrschen und so zum Sklaven des eigenen Besitzes zu werden
Annahme der Tatsache, daß niemand und nichts außer uns selbst dem Leben Sinn
gibt, wobei diese radikale Unabhängigkeit und Nichtheit (no-thingness) die
Voraussetzung für ein volles Engagiertsein sein kann, das dem Geben und Teilen
gewidmet ist
die Fähigkeit, wo immer man ist, ganz gegenwärtig zu sein Freude aus dem Geben
und Teilen, nicht aus dem Horten und der Ausbeutung anderer zu schöpfen
Liebe und Ehrfurcht vor dem Leben in allen seinen Manifestationen zu empfinden
und sich bewußt zu sein, daß weder Dinge noch Macht, noch alles Tote heilig
sind, sondern das Leben und alles, was dessen Wachstum fördert
bestrebt zu sein, Gier, Haß und Illusionen, so weit wie es einem möglich ist,
zu reduzieren
imstande zu sein, ein Leben ohne Verehrung von Idolen und ohne Illusionen zu führen,
weil eine Entwicklungsstufe erreicht ist, auf der der Mensch keiner Illusionen
mehr bedarf
bestrebt zu sein, die eigene Liebesfähigkeit sowie die Fähigkeit zu kritischem
und unsentimentalem Denken zu entwickeln
imstande zu sein, den eigenen Narzißmus zu überwinden und die tragische
Begrenztheit der menschlichen Existenz zu akzeptieren
sich bewußt zu sein, daß die volle Entfaltung der eigenen Persönlichkeit und
der des Mitmenschen das höchste Ziel des menschlichen Lebens ist
Wissen, daß zur Erreichung dieses Zieles Disziplin und Anerkennung der Realität
nötig sind
Wissen, daß Wachstum nur dann gesund ist, wenn es sich innerhalb einer Struktur
vollzieht, und den Unterschied zwischen »Struktur« als Attribut des Lebens und
»Ordnung« als Attribut der Leblosigkeit, des Toten, zu kennen
Entwicklung des eigenen Vorstellungsvermögens, nicht nur zur Flucht aus unerträglichen
Bedingungen, sondern als Vorwegnahme realer Möglichkeiten
andere nicht zu täuschen, sich aber auch von anderen nicht täuschen zu lassen;
man kann unschuldig, aber man soll nicht naiv sein
sich selbst zu kennen, nicht nur sein bewußtes, sondern auch sein unbewußtes
Selbst - von dem jeder Mensch ein schlummerndes Wissen in sich trägt
sich eins zu fühlen mit allem Lebendigen und daher das Ziel aufzugeben, die
Natur zu erobern, zu unterwerfen, sie auszubeuten, zu vergewaltigen und zu zerstören,
und statt dessen zu versuchen, sie zu verstehen und mit ihr zu kooperieren
unter Freiheit nicht Willkür zu verstehen, sondern die Chance, man selbst zu
sein - nicht als ein Bündel zügelloser Begierden, sondern als fein
ausbalancierte Struktur, die in jedem Augenblick mit der Alternative Wachstum
oder Verfall, Leben oder Tod
konfrontiert ist
Wissen, daß das Böse und die Destruktivität notwendige Folgen verhinderten
Wachstums sind
Wissen, daß nur wenige Menschen Vollkommenheit in allen diesen Eigenschaften
erreicht haben, aber nicht den Ehrgeiz zu haben, das Ziel zu erreichend,
eingedenk, daß ein solcher Ehrgeiz nur eine andere Form von Gier und Haben ist
was auch immer der entfernteste Punkt sein mag, den uns das Schicksal zu
erreichen gestattet - glücklich zu sein in diesem Prozeß stetig wachsender
Lebendigkeit, denn so bewußt und intensiv zu leben, wie man kann, ist so
befriedigend, daß die Sorge darüber, was man erreichen oder nicht erreichen könnte,
gar nicht erst aufkommt.
by Erich Fromm: Haben oder Sein (1976)